Schlagwort-Archive: Laufen

Das Jahr der Klassiker

Eigentlich wollte ich ja den Saisonhöhepunkt in Grönland, beim Polar Circle Marathon bestreiten. Allerdings gab es keine Hotelzimmer mehr in der Gegend und damit war auch der Lauf ausgebucht. Mal sehen, ob es in einen nächsten Jahr nochmals ein Thema wird.

Aus der Not habe ich nun eine Tugend gemacht. Beim Kristallmarathon hat mir einer erzählt, dass ich erst ein richtiger Läufer sei, wenn ich beim Rennsteiglauf durch den Zielbogen gelaufen bin. Das lass ich mir natürlich nicht zweimal erklären.

Nun bin ich beim Supermarathon angemeldet.

Später geht es dann nach Biel. Da habe ich noch eine Rechnung offen.

Der Startplatz ist gesichert und der Termin in der Agenda eingetragen.

Zusätzlich werde ich in Teams an der SOLA-Stafette und am Gigathlon starten

Kristallmarathon

Durch meinen gestrigen Besuch wurde ich diskret darauf aufmerksam gemacht, dass der Bericht vom Kristallmarathon noch fehlt. Das stimmt natürlich und wird jetzt umgehend nachgeholt.

Der Ausflug zum Kristallmarathon muss ich klar in zwei Bereiche Teilen. Das Erlebnis war absolut toll, das kann ich jedem und jeder empfehlen, meine sportliche Leistung war allerdings noch tiefer im Keller als der Lauf selber.
Nun aber mal der Reihe nach.

Nach einer intensiven Grippe bin ich gleich im Anschluss am Freitag mit Maik nach Bad Salzungen gereist. Das war eine Autofahrt von 5 Stunden, allerdings lief der Verkehr absolut problemlos.  Das bedeutete, dass wir schon im Nachmittag in Bad Salzungen ankamen. Die grosse Überraschung war das dortige Thermalbad. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viele Saunen gesehen. Wir waren mit der Auswahl fast überfordert.

Thermalbad in Bad Salzungen

Am Samstag hatten wir einen ganzen Tag Zeit und keine Pläne. Die Durchsicht der Zeitung brachte zu Tage, dass in Brotterode ein Skispringen statt fand. Der Tross des Continental Cups machten für ein Wochenende in der Gegend Halt. Das, nachdem er vorher in der Türkei war…kann man in der Türkei wirklich skispringen?
Da ich in meinem Leben noch nie an einem Skispringen war, wollte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Schanze in Brotterode

Am Sonntag galt es dann ernst. Ein Marathon in 500m Tiefe stand an.

Eingang zum Bergwerk

Da ich ein paar Tage vorher noch ziemlich hohes Fieber hatte, machte ich mir keine allzu grossen Hoffnungen. Mal los laufen und sehen, was auf mich zu kommt.

Zuerst sind wir allerdings mit dem Lift ins Bergwerk geführt worden. Das allerdings kein Lift, wie wir den  kennen, der war mehrstöckig und wurde auch sehr gut gefüllt. Wenn auf dem Typenschils 20 Personen angeschrieben steht, dann werden auch so viele rein „gepfercht“. Beeindruckt hat mich die Buchhaltung, welche geführt wurde. Der Bergwerksbesitzer hat zu jedem Zeitpunkt gewusst, wer noch im Stollen ist.

Liftanlage

Unten angekommen wurden wir mit Lastwagen in die grosse Halle gefahren.

Cabriolastwagen
Sicherheit wird gross geschrieben. In 500m Tiefe hat es sogar einen Krankenwagen.
Da wird beim Schmieren nicht gespart…

Über den Lauf gibt es nicht viel zu berichten. Auf der ersten Runde war ich noch einigermassen gut unterwegs, merkte aber schon bald, dass es nicht mein Tag ist. An durchgehendes Laufen war gar nicht zu denken, ich musste immer wieder Gehpausen einlegen. Nach dem halben Marathon gab ich auf. Glücklicherweise konnte ich mich noch auf Halbmarathon umbuchen und wurde als Finisher geführt. Die Zielzeit über 2h sind die mit Abstand schlechteste Zeit, die ich je gelaufen bin. So etwas lernt einem wieder mal Demut.

Der Wettkampf steht für nächstes Jahr schon mal auf der Liste. Ich habe ja noch eine Rechnung offen. Wer auch interessiert ist, muss sich jeweils beeilen. Die Startplätze sind rasch weg. Im 2018 soll er allerdings an zwei Tagen stattfinden, damit mehr Sportler in die Tiefe fahren können.

Hier noch ein paar Links:

http://www.erlebnisbergwerk.de/de/veranstaltungen/sport/kristallmarathon.html

Der Film wurde durch Maik gedreht. Wer gut aufpasst, wird mich auch sehen.

Nach dem höchsten folgt der tiefste

Was macht man, wenn man höchsten Ultra gelaufen ist? Genau, man läuft den tiefsten.

Am 12. Februar 2017 findet im stillgelegten Salzbergwerk Merkers in Thüringen ein Marathon 500m unter der Erde statt. Alternativ kann auch 10km oder ein Halbmarathon gelaufen werden. Die Teilnehmerzahl ist gesamthaft auf 500 begrenzt, damit alle Teilnehmer in vernünftiger Zeit unter Tage gebracht werden können.

Die Pflichtausrüstung ist bei diesem Lauf nicht mit denen bei Trailläufen zu vergleichen. Es muss mit Velohelm und Stirnlampe gelaufen werden.

Es werden 13 Runden à 3.25km bei 21°C und 20%-30% Luftfeuchtigkeit gelaufen.

 

Khardung la challenge

Nach mehr als einer Woche gibt es nun den Rennbericht über den Khardung la challenge:
Vorbereitung
Die Aklimatisierung habe ich ja schon früher mal beschrieben, zusätzlich musste ich im Rahmen der Vorbereitung auch ein Innerline Permit besorgen. Als Ausländer darf man nicht einfach so über den Khardung la fahren oder laufen, ohne eine entsprechende Bewilligung zu haben. Zum Glück hatte ich Unterstützung von einem lokalen Agenten. Ich musste nämlich vier mal aufs Marathon Büro, bis die Bewilligung endlich vorlag.
wp-image-99616439jpg.jpg
alles gepackt
Anfahrt
Wir mussten am Freitag um 10:00 beim Marathon Office sein, um dann mit Bussen nach Khardung Village geführt zu werden. Wer nun denkt, das sei eine kurze Sache, hat nicht mit den Strassenverhältnissen auf dem Pass gerechnet. Es hat fast 5 Stunden gedauert. In Khardung Village kamen wir etwa um 15:00 an. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass wir auf dem Pass noch eine ausgedehnte Pause gemacht haben. Bei der Fahrt hatten wir Gelegenheit, einander kennen zulernen und es wurde auch die Gelegenheit genutzt, gemeinsame Selfies zu machen. Auf dem Khardung habe ich dann auch mit den internationalen Teilnehmern gesprochen. Zwei Holländer, zwei Deutsche, ein Ungare, ein Nepalese und ein Schweizer, womit natürlich ich gemeint bin, traten an.
dscn3317
Stupa auf dem Khardung la
dscn3320
wir haben uns erlaubt auch länger da zu bleiben
dscn3323
interessantes Schild auf dem Khardung la
Verpflegung und Übernachtung
Wie schon geschrieben sind wir um 15:00 in Khardung Village angekommen. Wir konnten gleich darauf entweder Zimmer oder Zelt beziehen. Ich habe mich für ein Zelt entschieden und habe dann auch ein Zweierzelt für mich alleine erhalten. Das schaffte eindeutig mehr Privatsphäre als die grossen Schlafräume, welche uns ursprünglich als Zimmer verkauft wurden. Um vier wurden wir dann zum Tee geladen. Bei der Gelegenheit konnten wir einerseits die breite Palette der Biscuits ausprobieren, aber auch weitere Kontakte knüpfen. Es zeigte sich, dass das Teilnehmerfeld aus folgenden Leuten bestand: Ladakhis, welche in der Gegend wohnen, Inder aus verschiedenen Landesteilen, welche vornehmlich bei der Armee arbeiten und Ausländern. Interessant ist aber, dass die Ladakhis auch alle Inder als Ausländer bezeichnen, jedenfalls auf der Rangliste.
Nach einem kleinen Nickerchen wurden wir um 18:00 zum Nachtessen gerufen. Wenn man sich die üblichen Pastaparties aus Europa vor Augen hält, war das ein gelungenes Kontrastprogramm. Wir wurden mit einem mehrgängigen Menü verwöhnt, wobei der Hauptgang aus einem grosszügigen Buffet bestand. Zur Überraschung aller, wurde während des Nachtessens noch eine obligatorische Untersuchung durch den Arzt angekündigt. Mit Listen und Oximeter bewaffnet wurde jeder Läufer und jede Läuferin darauf untersucht, ob sie genug gut aklimatisiert waren. Wie sich zeigte, war das nicht nur eine Alibiübung, es wurden auch Startverbote ausgesprochen.
mein Zelt
mein Zelt
meine Nachbarn
meine Nachbarn
dscn3345
unser Nachtessen
dscn3336
Janos beim Tee
Der nächste Morgen und der Start
Wer meinte, er müsse mit mehren Weckern sicherstellen, dass er den Start nicht verpasst, hat nicht mit den Zeltnachbarn gerechnet. Um halb zwei in der Nacht waren nämlich schon alle putzmunter und man hörte auch den einen oder anderen singen. Ich war zu dem Zeitpunkt überzeugt, dass sich bei den Leuten die gute Laune im Laufe des Tages verziehen würde, wurde aber eines besseren belehrt. Um zwei wurde uns ein reichhaltiges Frühstück serviert und um viertel vor drei mussten wir bei der Startlinie bereit stehen. Der Organisator machte als erstes einen Appell. Der war aber so chaotisch, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass am Schluss eine aussagekräftige Liste vorlag. Gleich darauf gab es noch ein paar Bilder und kurz vor 03:00 wurde der Startschuss gegeben und wir liefen los.
Aufstieg
Bei den verschiedenen Gesprächen am Vortag, hat sich gezeigt, dass die meisten Teilnehmer gleich von Anfang an gehen würden. Zwar ist die Steigung nicht sehr gross, die Höhe macht einem aber so zu schaffen, dass an ein Laufen gar nicht zu denken ist. Nach 15 Minuten laufen habe auch ich zu der Strategie gewechselt. Am Anfang konnte ich noch mit etwa  7 km pro Stunde gehen, ab 5000 müM konnte ich das Tempo aber nicht mehr halten. Da wurde aus dem Marschieren ein ziemlich ataktischer Gang (unkoordiniertes Gehen) Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Beine und der Rest des Körpers nicht mehr miteinander verbunden waren. Als ich einmal anhalten wollte, bin ich fast an Ort und Stelle hingefallen. Den letzten Aufstieg habe ich gemeinsam mit zwei jungen Ladakhis gemacht. Die waren zwar nicht schneller als ich, aber sie hatten noch genug Luft um zu Quatschen und den Freunden zwei Strassen weiter unten etwas zuzurufen. Was es war, habe ich natürlich nicht verstanden, aber es tönte sehr unterhaltsam. Die hatten tatsächlich noch genug Luft um zu lachen.
dscn3358
nach Sonnenaufgang. In der Mitte sieht man den Passübergang, da muss ich hin….
dscn3351.jpg
eine top motivierte Crew bei einem Verpflegungsstand
Ankunft auf dem Khardung la
Kurz nach 08:00 bin ich auf dem Khardung la angekommen. Ich habe mich mit letzter Kraft um die letzte Kurve gekämpft. Da der Pass an dem Tag für den Verkehr gesperrt war, erwartete ich einen kleinen Verpflegungsstand und sonst nichts. Es standen aber etwa 20 Leute da oben, drei davon Fotografen, welche mich umgehend aufforderten, ich solle ein wenig mehr Dynamik an den Tag legen, damit die Fotos besser würden. Ich bin dann nochmals zurück und bin voller Elan um die Ecke gerannt, habe einen Freudensprung gemacht und war dann komplett schlapp. Dem Gesichtsausdruck der drei Paparazzi zu schliessen, habe ich ihre Erwartungen erfüllt. Auf dem Pass erfuhr ich auch, dass ich von den internationalen Läufern in Führung sei, wobei mit international auch alle Inder gemeint sind, welche nicht im Ladakh wohnen.
Da ich in Leh noch eine Gebetsfahne gekauft habe, welche ich oben aufhängen wollte, packte ich die als nächstes aus und fragte jemanden, ob er mit dabei helfen könne. Dieser Plan hat die Buddhisten an den Rand der Verzückung gebracht. Der OK-Präsident vom Lauf hat die Fahne gemeinsam mit mir aufgehängt und alle anwesenden haben das charakteristische Gebet dazu gesungen. Es war ein sehr ergreifender Moment. Auch das kann man an einem Ultramarathon erleben.
Kurz bevor ich wieder weiter bin, sind Maik und Kai auch auf dem Pass angekommen. Mein Vorsprung als internationaler Läufer war also minim. Das war auch nicht weiter relevant, ich habe mich einfach gefreut, dass es den beiden so gut läuft.
dscn3362
das obligatorische Gipfelfoto

 

dscn3361
Auch Kai kommt an
Abstieg nach Leh
Meine Wettkampfstrategie für den Abstieg war schon seit Tagen bekannt. Oben werde ich auskuppeln und es dann bei dem leichten Gefälle die 40 km nach Leh rollen lassen. Alles ganz easy, sollte man meinen. Aber erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Ich hatte nämlich bei den ganzen Überlegungen vergessen, dass die Luft auch beim runter Laufen immer noch sehr dünn sein kann. Ich musste mich also an den Gedanken gewöhnen, dass ich auch beim Abstieg immer wieder Gehpausen einlegen musste.
Kurz nach der Passhöhe überholte ich zwei Läufer, die mit einem Hund unterwegs waren. Auf dieser Höhe einen Hund dabei zu haben, fand ich speziell. Vermutlich fand mich der Hund auch speziell. Jedenfalls ist er mir dann ab dem Zeitpunkt gefolgt und hat mich bis Leh nicht mehr aus den Augen verloren. Wenn ich an einem Verpflegungsposten angehalten habe, hat er auch angehalten, wenn ich weiter ging, kam auch er mit. Sogar, wenn er noch am Fressen war. Die Helfer, Fotografen, Fernsehjournalisten, alles Buddhisten, waren natürlich verzückt. Zeitweise wurde ich von drei Fotografen begleitet, welche uns beide ablichteten. Ein Helfer hat mir dann auch erklärt, dass ich vom Hund nach Leh geführt werde.
Kurz vor Leh, da wo die Strassensperrung war, warteten einige Busse und Lastwagen auf die Passöffnung.  Von diesen Leuten wurden wir sehr angefeuert, was die Motivation für die letzten 5 km noch einmal hob. Leider ist da mein Kumpel, der Hund nach mehr als 40 km ausgestiegen. Ich glaube, ihm hat die Menschenmenge nicht gefallen.
dscn3366
Mein Kumpel beim Abstieg, auf Grund der vielen Flöhe wollte ich für das Foto nicht näher gehen.
Zieleinlauf
Nach all den eindrücklichen Erlebnissen war der Zieleinlauf durchzogen. Der Zielbogen stand bereit, allerdings parkten da grad zwei Tanklastwagen, dass ich noch auf jeder Seite noch grad mal einen halben Meter für den Zieleinlauf hatte. Durchzogen heisst aber nicht nur schlecht. Gleich hinter den Lastwagen wartete nämlich Konshuk, unser Guide mit einem weissen Seidenhalstuch auf mich. Das ist die höchste Ehrerbietung bei Begrüssungen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass jemand im Ziel stehen würde, darum konnte ich mir eine Träne nicht verkneifen. Konshuk nahm mich gleich unter seine Fittiche, zuerst musste ich essen, dann mein Gepäck zusammen suchen und dann hat er mich ins Hotel geführt.
Ich habe es in etwas mehr als 10 Stunden geschafft, viel schneller, als ich es eigentlich geplant habe. Meine Führung als nicht-Ladakhi konnte ich von der Passhöhe her bis ins Ziel mitnehmen.
Begrüssung im Hotel
im Hotel wurde ich durch die anderen frenetisch begrüsst. wie in der Formel 1 wurde ich von unten bis oben mit Bier (ich weiss, die nehmen Champagner, aber ich wollte Bier) bespritzt.
20160910_2861_marathon
Zeremonie am Sonntag
Die Finishermedaillen erhielten wir dann am Tag darauf bei der Rangverkündigung. Dazu konnten wir es uns zuerst im VIP Zelt gemütlich machen und die Volkstänze mit den Schülerinnen aus Leh verfolgen, bis wir dann aufgerufen wurden. Eine hohe Politikerin hat dann eine Ansprache gehalten und uns die Medaille überreicht. Ich habe in meinem Leben noch nie in so viele Kameras geblickt, als ich auf die Tribüne kam, vermutlich wird nicht mal Angela Merkel bei einer Pressekonferenz vor so einer Kamerawand stehen.
Im Anschluss wollte gefühlt jeder Inder noch ein Selfie mit mir machen. Jedenfalls war ich irgendwann froh, als Konshuk mich am Arm nahm, damit wir endlich gehen konnten.
sdr
unsere VIP Plätze
Fazit
Wer glaubt, ein Lauf im Ladakh wäre eher einfach organisiert, der täuscht sich. Ich habe noch nie einen so aufwändig organisierten Lauf erlebt. Alle 5 km gab es einen Verpflegungsposten und es vergingen selten mehr als 5 Minuten bis sich wieder ein Verpflegungsauto bei mir meldete, ob es mir gut gehe und ob ich noch genug Wasser hätte. Zwei Ambulanzen waren ständig auf der Strecke und die Untersuchung am Vortag hat auch gezeigt, dass die Sicherheit gross geschrieben wird. Der Lauf ist für jeden und jede zu empfehlen. Wenn man es nämlich sauber durch rechnet, kann man ihn auch marschierend absolvieren und die Schlusszeiten erreichen.
Organisatoren
Ich bin mit http://www.abenteuerreisen.ch/ladakh-marathon/  gereist, was ich nur empfehlen kann.
Wer individueller reisen will, der sollte sich sicher bei https://www.gesar-travel.com/ladakh-fuer-laeufer/  umsehen. Daniela ist die absolute Ladakh Spezialistin.
Maik bietet Sportreisen in die ganze Welt an. Er kennt weltweit sehr viele abenteuerliche Sportevents. http://www.actreme.com/running/ladakh-marathon-indien/

Trainingslauf von Goppenstein nach Kandersteg

Diesen Sonntag habe ich einen Trainingslauf von Goppenstein nach Kandersteg. gemacht. Dabei habe ich natürlich den Weg über den Lötschbergpass genommen. Bevor die Jungs aus der hinteren Reihe rufen, dass es auch eine Abkürzung durch den Berg geben wurde, gebe ich ihnen natürlich recht. Nur bin ich nicht sicher, ob ich schneller als der Zug laufen könnte.

Gleich vorneweg die Zusammenfassung. Ich hätte lange Hosen anziehen sollen. Nicht, dass mir die Gletschertraversierung Probleme gemacht hätte und auch der Nebel nicht so schlimm. Zu schaffen machten mir die Brennesseln beim ersten Aufstieg zwischen Goppenstein und der Gfelalp.

Grundsätzlich lief das Training sehr gut. Ich bin mit relativ wenig Essen durchgekommen, war am Schluss nicht sehr müde und am Tag darauf zeigten sich keine „Bresten“. Die grosse Herausforderung war nur die Orientierung im Nebel. Zwar waren über den Lötschegletscher Markierungen vorhanden, man sah aber nicht von der einen zur nächsten. Irgendwie bin ich aber trotzdem angekommen und konnte die letzten 10km bei wunderschönem Sonnenschein geniessen.

DSCN2960
Weg oberhalb der Gfelalp
kleiner Gletschersee unterhalb des Lötschepasses
kleiner Gletschersee unterhalb des Lötschepasses
DSCN2972
bei der Lötschepasshütte
Wasserfall im Gasterntal
Wasserfall im Gasterntal

Luzern Marathon — eine Nachlese

Vielleicht könnt Ihr Euch noch an die grossen Worte erinnern,  die ich noch vor dem Luzerner Marathon gespuckt habe. Von wegen, genug Saft in den Beinen. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

Als ich mich in meinem Jugendlichen Übermut so an den Luzerner Marathon angemeldet habe, dass ich noch vier Wochen auf dem Asphalt trainieren konnte, wusste ich noch nicht, dass die Umstellung auf den anderen Laufbelag so schmerzhaft sein kann.

Die erste Hälfte bin ich noch ganz locker gelaufen und nach 1:40 über die Halbmarathonmarkierung gelaufen. Alles noch im grünen Bereich. Nach 32 km merkte ich allerdings, was es heisst, auf einem komplett ungewohnten Untergrund zu laufen. Ich wurde von Krämpfen in den Oberschenkeln geplagt. Da Krämpfe aber vor allem mühsam sind und keine Folgeschäden produzieren, habe ich durchgebissen und bin ins Ziel gekommen. Es wurde die schlechteste Marathonzeit meiner ganzen Laufkarriere, aber heee, ich bin angekommen.

Der Zieleinlauf war dann noch ein Hüherhauterlebnis. Die Menschenmenge war schon sehr gut drauf, wenn man aber die Menge ein wenig motivierte, war es schon ein sehr spezielles Erlebnis. Einen solchen Zieleinlauf kannte ich bis jetzt nur von Davos, wenn man als K78 Finisher akkustisch ins Zielgelände getragen wird.

Wenn das kein würdiger Empfang ist?
Wenn das kein würdiger Empfang ist?
Finischerbild mit dem Göttimeitschi. Zum Glück hat niemand gefilmt, wie ich nach dem Foto wieder aufgestanden bin.
Finischerbild mit dem Göttimeitschi. Zum Glück hat niemand gefilmt, wie ich nach dem Foto wieder aufgestanden bin.

Vorbereitungen Luzerner Marathon

Ganz alte Hasen wissen, dass ich immer noch eine Rechnung mit dem Luzerner Marathon offen habe. Ein Hämatom am rechten Schienbein hat mir im 2009 den Start versaut. Das wird dieses Jahr nachgeholt.

swisscitymarathon

Nach dem Arosa Trail habe ich mich entschieden, dass ich noch genug Saft in den Beinen habe, um dieses Jahr einen Strassenmarathon zu laufen. Dieses Mal wird es in Luzern sein.

Am 25.10. um 09:00 wird der Startschuss sein. Drückt mir die Daumen.

Arosa Trail

Nachdem ich dieses Jahr im Frühling einen leichten Durchhänger hatte, wollte ich dieses Jahr trotzdem noch einen Wettkampf machen. Im Herbst einen Ultra-Trail über 50 km sollte auch trotz Trainingsrückstand zu machen sein. Das war so meine Einstellung, als ich mich an den Arosa Trailrun angemeldet habe.

Da ich letztes Jahr voll auf die Karte Rennvelo gesetzt habe, war ich nicht mehr ganz auf dem neusten Stand, was die Trailszene in der Schweiz betrifft. Bei den Wetterkapriolen am Irontrail im 2012 und den überforderten Teilnehmern und Organisatoren (Bericht) wurden die OKs der einschlägen Trailläufe vorsichtig und haben die Liste der Pflichtausrüstung erweitert. Mit meinem Background als Tourenleiter für Bergtouren, kann ich das nur unterstützen. Hier der Auszug aus dem Reglement:

Pflichtmaterial
Pflichtmaterial gemäss Reglement

 

Die Wahl fiel auf den Arosa Trailrun, da meine Schwester gleich um die Ecke wohnt und ich mich dadurch sehr familiär unterbringen lassen konnte.

Am Samstag um 06:00 machten wir uns auf den Weg auf das Startareal, das heisst, meine Schwester als Schlachtenbummler und ich.

IMG_20150923_224649
kurz vor dem Start

 

Bei der Startaufstellung zeigte sich dann, dass wohl nicht ganz alle Läufer das Reglement mit dem Pflichtmaterial so ernst genommen haben, jedenfalls hatte es da Rucksäckli dabei, die unmöglich alles enthalten konnten. Das sollte sich im Laufe des Tages noch beim einen oder anderern Läufer rächen.

Bild

Eigentlich kann ich mich als erfahrenen Läufer bezeichnen und  trotzdem liess ich mich beim Start wieder anstecken und lief nach dem Start mit massiv erhöhter Geschwindigkeit los. Das bedeutete, dass ich viel schneller als geplant auf dem Weisshorn war und das in einem der vorderen Ränge.

Auf dem Weisshorn
Auf dem Weisshorn

Wo meine echten Begrenzer sind, zeigte sich dann beim Abstieg zur Hörnlihütte. Ich musste die Gruppe, in der ich lief ziehen lassen. Das war mir zu gefährlich, im gleichen Tempo die Geröllhalde runter zu rotzen.

DSCN2538
Das Wetter verschlechterte sich

Auf der zweiten Schleife, welche in Richtung Mederger Flue ging, wurde es dann recht einsam. Das Feld hat sich in die Länge gezogen, Schlachtenbummler gab es keine mehr, da der Zugang schwierig war und die Verpflegungsposten waren spartanisch ausgerüstet. Da alles Material per Helikopter angeflogen werden musste, gab es alle Getränke aus Trinkwassersäcken aus Armeebeständen. Das ist zwar alles andere als gut, aber es hat mich an meine Jugendjahre bei der Schweizer Armee erinnert. Ich habe mich spontan 25 Jahr jünger gefühlt.

DSCN2533
höchster Punkt
DSCN2534
höchster Punkt

Auf den letzten 20 km habe ich dann noch einen guten Kumpel getroffen.  Joachim hat mich motiviert, wenn ich es nötig hatte und umgekehrt natürlich auch. Gegen Ende war ich es dann, der mehr Zuspruch nötig hatte. Das sind die Begegnungen, die solche Veranstaltungen unvergessen machten. Bis im Ziel haben wir uns über unser Leben so viel erzählt, wie vermutlich keine Frau jemals von uns erfahren wird.

Wie ich eingangs erwähnte, gab es den einen oder anderen Läufer, der es später bereute, nur mit sehr leichtem Gepäck losgelaufen zu sein. Irgendwann begann es leicht zu regnen und beim letzten Verpflegungsposten wurde dann kontrolliert, ob die Regenjacke und die langen Hosen auch wirklich dabei sind. Wer das nicht hatte, wurde aus dem Lauf genommen.

Zieleinlauf
Zieleinlauf

Wie schon geschrieben, habe ich es dann dank der motivierenden Worte von Joachim ins Ziel geschafft.  Was habe ich gelernt? Nicht zu schnell ins Rennen einsteigen, bei den Spitzenplätzen kann ich am Schluss nicht mitmischeln und das Terrain ist in Arosa recht anspruchsvoll, mit guter Vorbereitung aber problemlos zu bewältigen.

ein Bierchen mit Joachim
ein Bierchen mit Joachim

Hier noch einige Impressionen:

20150919_072907

DSCN2537

DSCN2536

DSCN2535

DSCN2531