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Khardung la challenge

Nach mehr als einer Woche gibt es nun den Rennbericht über den Khardung la challenge:
Vorbereitung
Die Aklimatisierung habe ich ja schon früher mal beschrieben, zusätzlich musste ich im Rahmen der Vorbereitung auch ein Innerline Permit besorgen. Als Ausländer darf man nicht einfach so über den Khardung la fahren oder laufen, ohne eine entsprechende Bewilligung zu haben. Zum Glück hatte ich Unterstützung von einem lokalen Agenten. Ich musste nämlich vier mal aufs Marathon Büro, bis die Bewilligung endlich vorlag.
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alles gepackt
Anfahrt
Wir mussten am Freitag um 10:00 beim Marathon Office sein, um dann mit Bussen nach Khardung Village geführt zu werden. Wer nun denkt, das sei eine kurze Sache, hat nicht mit den Strassenverhältnissen auf dem Pass gerechnet. Es hat fast 5 Stunden gedauert. In Khardung Village kamen wir etwa um 15:00 an. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass wir auf dem Pass noch eine ausgedehnte Pause gemacht haben. Bei der Fahrt hatten wir Gelegenheit, einander kennen zulernen und es wurde auch die Gelegenheit genutzt, gemeinsame Selfies zu machen. Auf dem Khardung habe ich dann auch mit den internationalen Teilnehmern gesprochen. Zwei Holländer, zwei Deutsche, ein Ungare, ein Nepalese und ein Schweizer, womit natürlich ich gemeint bin, traten an.
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Stupa auf dem Khardung la
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wir haben uns erlaubt auch länger da zu bleiben
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interessantes Schild auf dem Khardung la
Verpflegung und Übernachtung
Wie schon geschrieben sind wir um 15:00 in Khardung Village angekommen. Wir konnten gleich darauf entweder Zimmer oder Zelt beziehen. Ich habe mich für ein Zelt entschieden und habe dann auch ein Zweierzelt für mich alleine erhalten. Das schaffte eindeutig mehr Privatsphäre als die grossen Schlafräume, welche uns ursprünglich als Zimmer verkauft wurden. Um vier wurden wir dann zum Tee geladen. Bei der Gelegenheit konnten wir einerseits die breite Palette der Biscuits ausprobieren, aber auch weitere Kontakte knüpfen. Es zeigte sich, dass das Teilnehmerfeld aus folgenden Leuten bestand: Ladakhis, welche in der Gegend wohnen, Inder aus verschiedenen Landesteilen, welche vornehmlich bei der Armee arbeiten und Ausländern. Interessant ist aber, dass die Ladakhis auch alle Inder als Ausländer bezeichnen, jedenfalls auf der Rangliste.
Nach einem kleinen Nickerchen wurden wir um 18:00 zum Nachtessen gerufen. Wenn man sich die üblichen Pastaparties aus Europa vor Augen hält, war das ein gelungenes Kontrastprogramm. Wir wurden mit einem mehrgängigen Menü verwöhnt, wobei der Hauptgang aus einem grosszügigen Buffet bestand. Zur Überraschung aller, wurde während des Nachtessens noch eine obligatorische Untersuchung durch den Arzt angekündigt. Mit Listen und Oximeter bewaffnet wurde jeder Läufer und jede Läuferin darauf untersucht, ob sie genug gut aklimatisiert waren. Wie sich zeigte, war das nicht nur eine Alibiübung, es wurden auch Startverbote ausgesprochen.
mein Zelt
mein Zelt
meine Nachbarn
meine Nachbarn
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unser Nachtessen
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Janos beim Tee
Der nächste Morgen und der Start
Wer meinte, er müsse mit mehren Weckern sicherstellen, dass er den Start nicht verpasst, hat nicht mit den Zeltnachbarn gerechnet. Um halb zwei in der Nacht waren nämlich schon alle putzmunter und man hörte auch den einen oder anderen singen. Ich war zu dem Zeitpunkt überzeugt, dass sich bei den Leuten die gute Laune im Laufe des Tages verziehen würde, wurde aber eines besseren belehrt. Um zwei wurde uns ein reichhaltiges Frühstück serviert und um viertel vor drei mussten wir bei der Startlinie bereit stehen. Der Organisator machte als erstes einen Appell. Der war aber so chaotisch, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass am Schluss eine aussagekräftige Liste vorlag. Gleich darauf gab es noch ein paar Bilder und kurz vor 03:00 wurde der Startschuss gegeben und wir liefen los.
Aufstieg
Bei den verschiedenen Gesprächen am Vortag, hat sich gezeigt, dass die meisten Teilnehmer gleich von Anfang an gehen würden. Zwar ist die Steigung nicht sehr gross, die Höhe macht einem aber so zu schaffen, dass an ein Laufen gar nicht zu denken ist. Nach 15 Minuten laufen habe auch ich zu der Strategie gewechselt. Am Anfang konnte ich noch mit etwa  7 km pro Stunde gehen, ab 5000 müM konnte ich das Tempo aber nicht mehr halten. Da wurde aus dem Marschieren ein ziemlich ataktischer Gang (unkoordiniertes Gehen) Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Beine und der Rest des Körpers nicht mehr miteinander verbunden waren. Als ich einmal anhalten wollte, bin ich fast an Ort und Stelle hingefallen. Den letzten Aufstieg habe ich gemeinsam mit zwei jungen Ladakhis gemacht. Die waren zwar nicht schneller als ich, aber sie hatten noch genug Luft um zu Quatschen und den Freunden zwei Strassen weiter unten etwas zuzurufen. Was es war, habe ich natürlich nicht verstanden, aber es tönte sehr unterhaltsam. Die hatten tatsächlich noch genug Luft um zu lachen.
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nach Sonnenaufgang. In der Mitte sieht man den Passübergang, da muss ich hin….
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eine top motivierte Crew bei einem Verpflegungsstand
Ankunft auf dem Khardung la
Kurz nach 08:00 bin ich auf dem Khardung la angekommen. Ich habe mich mit letzter Kraft um die letzte Kurve gekämpft. Da der Pass an dem Tag für den Verkehr gesperrt war, erwartete ich einen kleinen Verpflegungsstand und sonst nichts. Es standen aber etwa 20 Leute da oben, drei davon Fotografen, welche mich umgehend aufforderten, ich solle ein wenig mehr Dynamik an den Tag legen, damit die Fotos besser würden. Ich bin dann nochmals zurück und bin voller Elan um die Ecke gerannt, habe einen Freudensprung gemacht und war dann komplett schlapp. Dem Gesichtsausdruck der drei Paparazzi zu schliessen, habe ich ihre Erwartungen erfüllt. Auf dem Pass erfuhr ich auch, dass ich von den internationalen Läufern in Führung sei, wobei mit international auch alle Inder gemeint sind, welche nicht im Ladakh wohnen.
Da ich in Leh noch eine Gebetsfahne gekauft habe, welche ich oben aufhängen wollte, packte ich die als nächstes aus und fragte jemanden, ob er mit dabei helfen könne. Dieser Plan hat die Buddhisten an den Rand der Verzückung gebracht. Der OK-Präsident vom Lauf hat die Fahne gemeinsam mit mir aufgehängt und alle anwesenden haben das charakteristische Gebet dazu gesungen. Es war ein sehr ergreifender Moment. Auch das kann man an einem Ultramarathon erleben.
Kurz bevor ich wieder weiter bin, sind Maik und Kai auch auf dem Pass angekommen. Mein Vorsprung als internationaler Läufer war also minim. Das war auch nicht weiter relevant, ich habe mich einfach gefreut, dass es den beiden so gut läuft.
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das obligatorische Gipfelfoto

 

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Auch Kai kommt an
Abstieg nach Leh
Meine Wettkampfstrategie für den Abstieg war schon seit Tagen bekannt. Oben werde ich auskuppeln und es dann bei dem leichten Gefälle die 40 km nach Leh rollen lassen. Alles ganz easy, sollte man meinen. Aber erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Ich hatte nämlich bei den ganzen Überlegungen vergessen, dass die Luft auch beim runter Laufen immer noch sehr dünn sein kann. Ich musste mich also an den Gedanken gewöhnen, dass ich auch beim Abstieg immer wieder Gehpausen einlegen musste.
Kurz nach der Passhöhe überholte ich zwei Läufer, die mit einem Hund unterwegs waren. Auf dieser Höhe einen Hund dabei zu haben, fand ich speziell. Vermutlich fand mich der Hund auch speziell. Jedenfalls ist er mir dann ab dem Zeitpunkt gefolgt und hat mich bis Leh nicht mehr aus den Augen verloren. Wenn ich an einem Verpflegungsposten angehalten habe, hat er auch angehalten, wenn ich weiter ging, kam auch er mit. Sogar, wenn er noch am Fressen war. Die Helfer, Fotografen, Fernsehjournalisten, alles Buddhisten, waren natürlich verzückt. Zeitweise wurde ich von drei Fotografen begleitet, welche uns beide ablichteten. Ein Helfer hat mir dann auch erklärt, dass ich vom Hund nach Leh geführt werde.
Kurz vor Leh, da wo die Strassensperrung war, warteten einige Busse und Lastwagen auf die Passöffnung.  Von diesen Leuten wurden wir sehr angefeuert, was die Motivation für die letzten 5 km noch einmal hob. Leider ist da mein Kumpel, der Hund nach mehr als 40 km ausgestiegen. Ich glaube, ihm hat die Menschenmenge nicht gefallen.
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Mein Kumpel beim Abstieg, auf Grund der vielen Flöhe wollte ich für das Foto nicht näher gehen.
Zieleinlauf
Nach all den eindrücklichen Erlebnissen war der Zieleinlauf durchzogen. Der Zielbogen stand bereit, allerdings parkten da grad zwei Tanklastwagen, dass ich noch auf jeder Seite noch grad mal einen halben Meter für den Zieleinlauf hatte. Durchzogen heisst aber nicht nur schlecht. Gleich hinter den Lastwagen wartete nämlich Konshuk, unser Guide mit einem weissen Seidenhalstuch auf mich. Das ist die höchste Ehrerbietung bei Begrüssungen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass jemand im Ziel stehen würde, darum konnte ich mir eine Träne nicht verkneifen. Konshuk nahm mich gleich unter seine Fittiche, zuerst musste ich essen, dann mein Gepäck zusammen suchen und dann hat er mich ins Hotel geführt.
Ich habe es in etwas mehr als 10 Stunden geschafft, viel schneller, als ich es eigentlich geplant habe. Meine Führung als nicht-Ladakhi konnte ich von der Passhöhe her bis ins Ziel mitnehmen.
Begrüssung im Hotel
im Hotel wurde ich durch die anderen frenetisch begrüsst. wie in der Formel 1 wurde ich von unten bis oben mit Bier (ich weiss, die nehmen Champagner, aber ich wollte Bier) bespritzt.
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Zeremonie am Sonntag
Die Finishermedaillen erhielten wir dann am Tag darauf bei der Rangverkündigung. Dazu konnten wir es uns zuerst im VIP Zelt gemütlich machen und die Volkstänze mit den Schülerinnen aus Leh verfolgen, bis wir dann aufgerufen wurden. Eine hohe Politikerin hat dann eine Ansprache gehalten und uns die Medaille überreicht. Ich habe in meinem Leben noch nie in so viele Kameras geblickt, als ich auf die Tribüne kam, vermutlich wird nicht mal Angela Merkel bei einer Pressekonferenz vor so einer Kamerawand stehen.
Im Anschluss wollte gefühlt jeder Inder noch ein Selfie mit mir machen. Jedenfalls war ich irgendwann froh, als Konshuk mich am Arm nahm, damit wir endlich gehen konnten.
sdr
unsere VIP Plätze
Fazit
Wer glaubt, ein Lauf im Ladakh wäre eher einfach organisiert, der täuscht sich. Ich habe noch nie einen so aufwändig organisierten Lauf erlebt. Alle 5 km gab es einen Verpflegungsposten und es vergingen selten mehr als 5 Minuten bis sich wieder ein Verpflegungsauto bei mir meldete, ob es mir gut gehe und ob ich noch genug Wasser hätte. Zwei Ambulanzen waren ständig auf der Strecke und die Untersuchung am Vortag hat auch gezeigt, dass die Sicherheit gross geschrieben wird. Der Lauf ist für jeden und jede zu empfehlen. Wenn man es nämlich sauber durch rechnet, kann man ihn auch marschierend absolvieren und die Schlusszeiten erreichen.
Organisatoren
Ich bin mit http://www.abenteuerreisen.ch/ladakh-marathon/  gereist, was ich nur empfehlen kann.
Wer individueller reisen will, der sollte sich sicher bei https://www.gesar-travel.com/ladakh-fuer-laeufer/  umsehen. Daniela ist die absolute Ladakh Spezialistin.
Maik bietet Sportreisen in die ganze Welt an. Er kennt weltweit sehr viele abenteuerliche Sportevents. http://www.actreme.com/running/ladakh-marathon-indien/