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S1 100 Meilen Lauf in Triest

Schon in der Vorbereitung war mir klar, dass dieser Lauf eine spezielle Herausforderung wird. Wenn man im Winter in den Bergen laufen will, bringt das lange Nächte, kalte Temparaturen, Schnee und vor allem lange Nächte mit sich. Die langen Nächte finde ich jeweils speziell zermürbend.
Die Route geht in der ersten Hälfte im Landesinneren der Italienisch-Slowenischen Grenze entlang und irgendwann bis an die kroatische Grenze. In der zweiten Hälfte  direkt zurück bis zur Grenze nach Italien und dann über weite Teile dem Meer entlang mit wunderbarer Aussicht. In Bora, kurz vor dem Ziel steigt der Trail bis zum  Strand ab.
Route
Höhenprofil
Angemeldet waren etwa 150 Leute, am Start standen aber sicher einige weniger. Das erstaunt natürlich nicht, für einen solchen Wettkampf muss man absolut gesund sein. Alles andere macht wenig Sinn und ist gefährlich.
der grosse Pulk ist noch aufgedreht
Zum Anfang war es wie immer bei solchen Läufen. Der grosse Pulk ist geladen, an den engen Stellen muss man anstehen und es hat immer wieder Läufer, die die entscheidenen 2 Minuten am Anfang gutmachen wollen. Nach 20 km legt sich das. Genau da war dann auch der erste Vepflegungsposten und der Tag hellte auf. Die Stimmung konnte also gar nicht besser werden. Der Rennorganisator hat mir da  zugeredet, dass ich nicht zu schnell werden darf, da der CheckPoint in Gojaki, bei 85 km erst um fünf öffnet und ich nicht zu früh da sein darf. Dort konnten wir nämlich auch unsere Taschen in Empfang nehmen, in denen wir Essen und Ersatzkleider deponieren konnten.
Das Risiko, vor fünf da zu sein, erschien mir aber überschaubar.
Da wir in weiten Teilen der Italienisch/Slowenischen Grenze entlang liefen, wurde uns immer wieder vor Augen geführt, dass das vor 30 Jahren noch der eiserne Vorhang von Europa war. Warnschilder und alte Zollhäuser dokumentieren das sehr eindrücklich. Die Gegend ist auch heute noch mehrheitlich unbewohnt.
Diese Warnungen stehen überall
Es ist schon eine Zeit her, seit dieses Zollhaus benutzt wurde
Am Samstag war das Wetter trocken, durchzogen und kalt. Der Boden war anscheinend schon mehrere Tage gefroren und taute auch am Samstag nicht auf.
so kalt war es am Samstag
Etwa um halb sechs bin ich dann in der erwähnten Hütte angekommen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie schön das sein kann, wenn man in der Nacht die Lichter auftauchen sieht, wenn man dann eine dampfende Minestrone auf den Tisch gestellt bekommt und dann von der Hüttenwartin einen Knuddler mit auf den Weg bekommt. Das war allerdings auch wichtig. Gleich darauf kamen die höchsten Gipfel. Es waren deren zwei, die höher als 1000 müM sind. Bei angesagten minus 5° und starkem Wind braucht es viel innere Wärme. Das war vermutlich auch der erste Zeitpunkt, an dem ich mich fragte, was ich hier eigentlich mache. Vernünftige Leute sitzen jetzt mit einem Bier vor dem Fernseher.
was halt so im gut sortierten Verpflegungsposten in Slowenien gereicht wird.
Den Zeitpunkt, wenn man an der kroatischen Grenze ankommt, kann man unmöglich verpassen. Die ist nämlich mit drei Lagen Nato-Stacheldraht gesichert. Wir laufen über einige Zeit diesem Stacheldraht entlang, was ein mulmiges Gefühl gibt.
Ab dann wird es richtig technisch. Nach etwa 125 Kilometern müssen wir 300 Höhenmeter einen Steilhang hoch oben einer Klippe entlang, bei der es zum Glück Seile hat, damit man sich halten kann und dann wieder eine Geröllhalde runter, bei der alles in Bewegung ist. Laufen konnte ich da natürlich nicht mehr. Ich wollte einfach nur noch gesund runter kommen.  Das war auch der emotionale Tiefpunkt. Ich war seit 12 Stunden mit Stirnlampe gelaufen, hatte kalt, war müde und wollte mich eigentlich nur noch hinlegen. Daran war natürlich nicht zu denken, dafür habe ich ein paar Gehpausen eingelegt.
Wer selber schon solche Wettkämpfe gelaufen ist, weiss aber, dass das schnell ändern kann. Um viertel vor Acht ging die Sonne auf und es war einer der schönsten Sonnenaufgänge, die ich schon erlebt habe. Bald darauf hat mich Allessandra eingeholt die mich motiviert hat, wieder zu laufen. Es wurde ein wunderschöner Tag. Die Sonne schien, es wurde warm, wir sind etwa 30 km oberhalb des Golfes von Triest gelaufen, die Aussicht war phänomenal und ich wusste, dass ich das Ziel erreichen werde. Nur für den Fall, dass sich jemand fragt, warum ich das tue. Das sind die Momente, bei denen ich die Glückstränen unterdrücken muss.
einer meiner schönsten Sonnenaufgänge
Die letzten 10 km wurden aber nochmals zu einer ungeahnten Herausforderung. Auf dieser Strecke waren nämlich auch die Halbmarathonis unterwegs. Es liegt in der Natur der Sache, dass die schneller unterwegs waren und bei den engen Stellen überholen wollten. Für mich bedeutete das, dass ich immer wieder zur Seite springen musste. Die weniger freundlichen Zeitgenossen brachten auch sehr direkt zum Ausdruck, dass es nervt, wenn so eine lahme Ente ihren schnellen Lauf unterbricht. Es gab aber auch viele Leute, die erkannt habe, warum ich langsamer unterwegs bin und mich aufgemunterten.
Triest von oben

Wenn die Italiener etwas können, dann ist es die perfekte Show auf die Beine zu stellen. Das wurde mir beim Zieleinlauf vor Augen geführt. Der Zielbereich war voller Zuschauer und Läufern kürzeren Distanzen. Die wurden durch den Speaker so aufgepeitscht, dass die Masse gekocht hat. Das habe ich noch nie erlebt.

Das Jahr der Klassiker

Eigentlich wollte ich ja den Saisonhöhepunkt in Grönland, beim Polar Circle Marathon bestreiten. Allerdings gab es keine Hotelzimmer mehr in der Gegend und damit war auch der Lauf ausgebucht. Mal sehen, ob es in einen nächsten Jahr nochmals ein Thema wird.

Aus der Not habe ich nun eine Tugend gemacht. Beim Kristallmarathon hat mir einer erzählt, dass ich erst ein richtiger Läufer sei, wenn ich beim Rennsteiglauf durch den Zielbogen gelaufen bin. Das lass ich mir natürlich nicht zweimal erklären.

Nun bin ich beim Supermarathon angemeldet.

Später geht es dann nach Biel. Da habe ich noch eine Rechnung offen.

Der Startplatz ist gesichert und der Termin in der Agenda eingetragen.

Zusätzlich werde ich in Teams an der SOLA-Stafette und am Gigathlon starten

Kristallmarathon

Durch meinen gestrigen Besuch wurde ich diskret darauf aufmerksam gemacht, dass der Bericht vom Kristallmarathon noch fehlt. Das stimmt natürlich und wird jetzt umgehend nachgeholt.

Der Ausflug zum Kristallmarathon muss ich klar in zwei Bereiche Teilen. Das Erlebnis war absolut toll, das kann ich jedem und jeder empfehlen, meine sportliche Leistung war allerdings noch tiefer im Keller als der Lauf selber.
Nun aber mal der Reihe nach.

Nach einer intensiven Grippe bin ich gleich im Anschluss am Freitag mit Maik nach Bad Salzungen gereist. Das war eine Autofahrt von 5 Stunden, allerdings lief der Verkehr absolut problemlos.  Das bedeutete, dass wir schon im Nachmittag in Bad Salzungen ankamen. Die grosse Überraschung war das dortige Thermalbad. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viele Saunen gesehen. Wir waren mit der Auswahl fast überfordert.

Thermalbad in Bad Salzungen

Am Samstag hatten wir einen ganzen Tag Zeit und keine Pläne. Die Durchsicht der Zeitung brachte zu Tage, dass in Brotterode ein Skispringen statt fand. Der Tross des Continental Cups machten für ein Wochenende in der Gegend Halt. Das, nachdem er vorher in der Türkei war…kann man in der Türkei wirklich skispringen?
Da ich in meinem Leben noch nie an einem Skispringen war, wollte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Schanze in Brotterode

Am Sonntag galt es dann ernst. Ein Marathon in 500m Tiefe stand an.

Eingang zum Bergwerk

Da ich ein paar Tage vorher noch ziemlich hohes Fieber hatte, machte ich mir keine allzu grossen Hoffnungen. Mal los laufen und sehen, was auf mich zu kommt.

Zuerst sind wir allerdings mit dem Lift ins Bergwerk geführt worden. Das allerdings kein Lift, wie wir den  kennen, der war mehrstöckig und wurde auch sehr gut gefüllt. Wenn auf dem Typenschils 20 Personen angeschrieben steht, dann werden auch so viele rein „gepfercht“. Beeindruckt hat mich die Buchhaltung, welche geführt wurde. Der Bergwerksbesitzer hat zu jedem Zeitpunkt gewusst, wer noch im Stollen ist.

Liftanlage

Unten angekommen wurden wir mit Lastwagen in die grosse Halle gefahren.

Cabriolastwagen
Sicherheit wird gross geschrieben. In 500m Tiefe hat es sogar einen Krankenwagen.
Da wird beim Schmieren nicht gespart…

Über den Lauf gibt es nicht viel zu berichten. Auf der ersten Runde war ich noch einigermassen gut unterwegs, merkte aber schon bald, dass es nicht mein Tag ist. An durchgehendes Laufen war gar nicht zu denken, ich musste immer wieder Gehpausen einlegen. Nach dem halben Marathon gab ich auf. Glücklicherweise konnte ich mich noch auf Halbmarathon umbuchen und wurde als Finisher geführt. Die Zielzeit über 2h sind die mit Abstand schlechteste Zeit, die ich je gelaufen bin. So etwas lernt einem wieder mal Demut.

Der Wettkampf steht für nächstes Jahr schon mal auf der Liste. Ich habe ja noch eine Rechnung offen. Wer auch interessiert ist, muss sich jeweils beeilen. Die Startplätze sind rasch weg. Im 2018 soll er allerdings an zwei Tagen stattfinden, damit mehr Sportler in die Tiefe fahren können.

Hier noch ein paar Links:

http://www.erlebnisbergwerk.de/de/veranstaltungen/sport/kristallmarathon.html

Der Film wurde durch Maik gedreht. Wer gut aufpasst, wird mich auch sehen.

Nach dem höchsten folgt der tiefste

Was macht man, wenn man höchsten Ultra gelaufen ist? Genau, man läuft den tiefsten.

Am 12. Februar 2017 findet im stillgelegten Salzbergwerk Merkers in Thüringen ein Marathon 500m unter der Erde statt. Alternativ kann auch 10km oder ein Halbmarathon gelaufen werden. Die Teilnehmerzahl ist gesamthaft auf 500 begrenzt, damit alle Teilnehmer in vernünftiger Zeit unter Tage gebracht werden können.

Die Pflichtausrüstung ist bei diesem Lauf nicht mit denen bei Trailläufen zu vergleichen. Es muss mit Velohelm und Stirnlampe gelaufen werden.

Es werden 13 Runden à 3.25km bei 21°C und 20%-30% Luftfeuchtigkeit gelaufen.

 

Khardung la challenge

Nach mehr als einer Woche gibt es nun den Rennbericht über den Khardung la challenge:
Vorbereitung
Die Aklimatisierung habe ich ja schon früher mal beschrieben, zusätzlich musste ich im Rahmen der Vorbereitung auch ein Innerline Permit besorgen. Als Ausländer darf man nicht einfach so über den Khardung la fahren oder laufen, ohne eine entsprechende Bewilligung zu haben. Zum Glück hatte ich Unterstützung von einem lokalen Agenten. Ich musste nämlich vier mal aufs Marathon Büro, bis die Bewilligung endlich vorlag.
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alles gepackt
Anfahrt
Wir mussten am Freitag um 10:00 beim Marathon Office sein, um dann mit Bussen nach Khardung Village geführt zu werden. Wer nun denkt, das sei eine kurze Sache, hat nicht mit den Strassenverhältnissen auf dem Pass gerechnet. Es hat fast 5 Stunden gedauert. In Khardung Village kamen wir etwa um 15:00 an. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass wir auf dem Pass noch eine ausgedehnte Pause gemacht haben. Bei der Fahrt hatten wir Gelegenheit, einander kennen zulernen und es wurde auch die Gelegenheit genutzt, gemeinsame Selfies zu machen. Auf dem Khardung habe ich dann auch mit den internationalen Teilnehmern gesprochen. Zwei Holländer, zwei Deutsche, ein Ungare, ein Nepalese und ein Schweizer, womit natürlich ich gemeint bin, traten an.
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Stupa auf dem Khardung la
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wir haben uns erlaubt auch länger da zu bleiben
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interessantes Schild auf dem Khardung la
Verpflegung und Übernachtung
Wie schon geschrieben sind wir um 15:00 in Khardung Village angekommen. Wir konnten gleich darauf entweder Zimmer oder Zelt beziehen. Ich habe mich für ein Zelt entschieden und habe dann auch ein Zweierzelt für mich alleine erhalten. Das schaffte eindeutig mehr Privatsphäre als die grossen Schlafräume, welche uns ursprünglich als Zimmer verkauft wurden. Um vier wurden wir dann zum Tee geladen. Bei der Gelegenheit konnten wir einerseits die breite Palette der Biscuits ausprobieren, aber auch weitere Kontakte knüpfen. Es zeigte sich, dass das Teilnehmerfeld aus folgenden Leuten bestand: Ladakhis, welche in der Gegend wohnen, Inder aus verschiedenen Landesteilen, welche vornehmlich bei der Armee arbeiten und Ausländern. Interessant ist aber, dass die Ladakhis auch alle Inder als Ausländer bezeichnen, jedenfalls auf der Rangliste.
Nach einem kleinen Nickerchen wurden wir um 18:00 zum Nachtessen gerufen. Wenn man sich die üblichen Pastaparties aus Europa vor Augen hält, war das ein gelungenes Kontrastprogramm. Wir wurden mit einem mehrgängigen Menü verwöhnt, wobei der Hauptgang aus einem grosszügigen Buffet bestand. Zur Überraschung aller, wurde während des Nachtessens noch eine obligatorische Untersuchung durch den Arzt angekündigt. Mit Listen und Oximeter bewaffnet wurde jeder Läufer und jede Läuferin darauf untersucht, ob sie genug gut aklimatisiert waren. Wie sich zeigte, war das nicht nur eine Alibiübung, es wurden auch Startverbote ausgesprochen.
mein Zelt
mein Zelt
meine Nachbarn
meine Nachbarn
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unser Nachtessen
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Janos beim Tee
Der nächste Morgen und der Start
Wer meinte, er müsse mit mehren Weckern sicherstellen, dass er den Start nicht verpasst, hat nicht mit den Zeltnachbarn gerechnet. Um halb zwei in der Nacht waren nämlich schon alle putzmunter und man hörte auch den einen oder anderen singen. Ich war zu dem Zeitpunkt überzeugt, dass sich bei den Leuten die gute Laune im Laufe des Tages verziehen würde, wurde aber eines besseren belehrt. Um zwei wurde uns ein reichhaltiges Frühstück serviert und um viertel vor drei mussten wir bei der Startlinie bereit stehen. Der Organisator machte als erstes einen Appell. Der war aber so chaotisch, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass am Schluss eine aussagekräftige Liste vorlag. Gleich darauf gab es noch ein paar Bilder und kurz vor 03:00 wurde der Startschuss gegeben und wir liefen los.
Aufstieg
Bei den verschiedenen Gesprächen am Vortag, hat sich gezeigt, dass die meisten Teilnehmer gleich von Anfang an gehen würden. Zwar ist die Steigung nicht sehr gross, die Höhe macht einem aber so zu schaffen, dass an ein Laufen gar nicht zu denken ist. Nach 15 Minuten laufen habe auch ich zu der Strategie gewechselt. Am Anfang konnte ich noch mit etwa  7 km pro Stunde gehen, ab 5000 müM konnte ich das Tempo aber nicht mehr halten. Da wurde aus dem Marschieren ein ziemlich ataktischer Gang (unkoordiniertes Gehen) Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass Beine und der Rest des Körpers nicht mehr miteinander verbunden waren. Als ich einmal anhalten wollte, bin ich fast an Ort und Stelle hingefallen. Den letzten Aufstieg habe ich gemeinsam mit zwei jungen Ladakhis gemacht. Die waren zwar nicht schneller als ich, aber sie hatten noch genug Luft um zu Quatschen und den Freunden zwei Strassen weiter unten etwas zuzurufen. Was es war, habe ich natürlich nicht verstanden, aber es tönte sehr unterhaltsam. Die hatten tatsächlich noch genug Luft um zu lachen.
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nach Sonnenaufgang. In der Mitte sieht man den Passübergang, da muss ich hin….
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eine top motivierte Crew bei einem Verpflegungsstand
Ankunft auf dem Khardung la
Kurz nach 08:00 bin ich auf dem Khardung la angekommen. Ich habe mich mit letzter Kraft um die letzte Kurve gekämpft. Da der Pass an dem Tag für den Verkehr gesperrt war, erwartete ich einen kleinen Verpflegungsstand und sonst nichts. Es standen aber etwa 20 Leute da oben, drei davon Fotografen, welche mich umgehend aufforderten, ich solle ein wenig mehr Dynamik an den Tag legen, damit die Fotos besser würden. Ich bin dann nochmals zurück und bin voller Elan um die Ecke gerannt, habe einen Freudensprung gemacht und war dann komplett schlapp. Dem Gesichtsausdruck der drei Paparazzi zu schliessen, habe ich ihre Erwartungen erfüllt. Auf dem Pass erfuhr ich auch, dass ich von den internationalen Läufern in Führung sei, wobei mit international auch alle Inder gemeint sind, welche nicht im Ladakh wohnen.
Da ich in Leh noch eine Gebetsfahne gekauft habe, welche ich oben aufhängen wollte, packte ich die als nächstes aus und fragte jemanden, ob er mit dabei helfen könne. Dieser Plan hat die Buddhisten an den Rand der Verzückung gebracht. Der OK-Präsident vom Lauf hat die Fahne gemeinsam mit mir aufgehängt und alle anwesenden haben das charakteristische Gebet dazu gesungen. Es war ein sehr ergreifender Moment. Auch das kann man an einem Ultramarathon erleben.
Kurz bevor ich wieder weiter bin, sind Maik und Kai auch auf dem Pass angekommen. Mein Vorsprung als internationaler Läufer war also minim. Das war auch nicht weiter relevant, ich habe mich einfach gefreut, dass es den beiden so gut läuft.
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das obligatorische Gipfelfoto

 

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Auch Kai kommt an
Abstieg nach Leh
Meine Wettkampfstrategie für den Abstieg war schon seit Tagen bekannt. Oben werde ich auskuppeln und es dann bei dem leichten Gefälle die 40 km nach Leh rollen lassen. Alles ganz easy, sollte man meinen. Aber erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt. Ich hatte nämlich bei den ganzen Überlegungen vergessen, dass die Luft auch beim runter Laufen immer noch sehr dünn sein kann. Ich musste mich also an den Gedanken gewöhnen, dass ich auch beim Abstieg immer wieder Gehpausen einlegen musste.
Kurz nach der Passhöhe überholte ich zwei Läufer, die mit einem Hund unterwegs waren. Auf dieser Höhe einen Hund dabei zu haben, fand ich speziell. Vermutlich fand mich der Hund auch speziell. Jedenfalls ist er mir dann ab dem Zeitpunkt gefolgt und hat mich bis Leh nicht mehr aus den Augen verloren. Wenn ich an einem Verpflegungsposten angehalten habe, hat er auch angehalten, wenn ich weiter ging, kam auch er mit. Sogar, wenn er noch am Fressen war. Die Helfer, Fotografen, Fernsehjournalisten, alles Buddhisten, waren natürlich verzückt. Zeitweise wurde ich von drei Fotografen begleitet, welche uns beide ablichteten. Ein Helfer hat mir dann auch erklärt, dass ich vom Hund nach Leh geführt werde.
Kurz vor Leh, da wo die Strassensperrung war, warteten einige Busse und Lastwagen auf die Passöffnung.  Von diesen Leuten wurden wir sehr angefeuert, was die Motivation für die letzten 5 km noch einmal hob. Leider ist da mein Kumpel, der Hund nach mehr als 40 km ausgestiegen. Ich glaube, ihm hat die Menschenmenge nicht gefallen.
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Mein Kumpel beim Abstieg, auf Grund der vielen Flöhe wollte ich für das Foto nicht näher gehen.
Zieleinlauf
Nach all den eindrücklichen Erlebnissen war der Zieleinlauf durchzogen. Der Zielbogen stand bereit, allerdings parkten da grad zwei Tanklastwagen, dass ich noch auf jeder Seite noch grad mal einen halben Meter für den Zieleinlauf hatte. Durchzogen heisst aber nicht nur schlecht. Gleich hinter den Lastwagen wartete nämlich Konshuk, unser Guide mit einem weissen Seidenhalstuch auf mich. Das ist die höchste Ehrerbietung bei Begrüssungen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass jemand im Ziel stehen würde, darum konnte ich mir eine Träne nicht verkneifen. Konshuk nahm mich gleich unter seine Fittiche, zuerst musste ich essen, dann mein Gepäck zusammen suchen und dann hat er mich ins Hotel geführt.
Ich habe es in etwas mehr als 10 Stunden geschafft, viel schneller, als ich es eigentlich geplant habe. Meine Führung als nicht-Ladakhi konnte ich von der Passhöhe her bis ins Ziel mitnehmen.
Begrüssung im Hotel
im Hotel wurde ich durch die anderen frenetisch begrüsst. wie in der Formel 1 wurde ich von unten bis oben mit Bier (ich weiss, die nehmen Champagner, aber ich wollte Bier) bespritzt.
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Zeremonie am Sonntag
Die Finishermedaillen erhielten wir dann am Tag darauf bei der Rangverkündigung. Dazu konnten wir es uns zuerst im VIP Zelt gemütlich machen und die Volkstänze mit den Schülerinnen aus Leh verfolgen, bis wir dann aufgerufen wurden. Eine hohe Politikerin hat dann eine Ansprache gehalten und uns die Medaille überreicht. Ich habe in meinem Leben noch nie in so viele Kameras geblickt, als ich auf die Tribüne kam, vermutlich wird nicht mal Angela Merkel bei einer Pressekonferenz vor so einer Kamerawand stehen.
Im Anschluss wollte gefühlt jeder Inder noch ein Selfie mit mir machen. Jedenfalls war ich irgendwann froh, als Konshuk mich am Arm nahm, damit wir endlich gehen konnten.
sdr
unsere VIP Plätze
Fazit
Wer glaubt, ein Lauf im Ladakh wäre eher einfach organisiert, der täuscht sich. Ich habe noch nie einen so aufwändig organisierten Lauf erlebt. Alle 5 km gab es einen Verpflegungsposten und es vergingen selten mehr als 5 Minuten bis sich wieder ein Verpflegungsauto bei mir meldete, ob es mir gut gehe und ob ich noch genug Wasser hätte. Zwei Ambulanzen waren ständig auf der Strecke und die Untersuchung am Vortag hat auch gezeigt, dass die Sicherheit gross geschrieben wird. Der Lauf ist für jeden und jede zu empfehlen. Wenn man es nämlich sauber durch rechnet, kann man ihn auch marschierend absolvieren und die Schlusszeiten erreichen.
Organisatoren
Ich bin mit http://www.abenteuerreisen.ch/ladakh-marathon/  gereist, was ich nur empfehlen kann.
Wer individueller reisen will, der sollte sich sicher bei https://www.gesar-travel.com/ladakh-fuer-laeufer/  umsehen. Daniela ist die absolute Ladakh Spezialistin.
Maik bietet Sportreisen in die ganze Welt an. Er kennt weltweit sehr viele abenteuerliche Sportevents. http://www.actreme.com/running/ladakh-marathon-indien/

Es kann los gehen

Gestern konnten wir nun endlich alle Bewilligungen einholen. Das war wohl alles andere als einfach. Als Ausländer darf man aber nicht einfach so über den Khardung. Kompliziert war das, da ich vorher noch auf dem Tso-Kar war, wofür es auch eine Bewilligung brauchte, und gleichzeitig zwei auszustellen funktioniert nicht.

Nun geniesse ich den Tag in Leh. Das Wetter ist wunderbar. Morgen geht es um neun los nach Khardung Village.

Trainingslauf von Goppenstein nach Kandersteg

Diesen Sonntag habe ich einen Trainingslauf von Goppenstein nach Kandersteg. gemacht. Dabei habe ich natürlich den Weg über den Lötschbergpass genommen. Bevor die Jungs aus der hinteren Reihe rufen, dass es auch eine Abkürzung durch den Berg geben wurde, gebe ich ihnen natürlich recht. Nur bin ich nicht sicher, ob ich schneller als der Zug laufen könnte.

Gleich vorneweg die Zusammenfassung. Ich hätte lange Hosen anziehen sollen. Nicht, dass mir die Gletschertraversierung Probleme gemacht hätte und auch der Nebel nicht so schlimm. Zu schaffen machten mir die Brennesseln beim ersten Aufstieg zwischen Goppenstein und der Gfelalp.

Grundsätzlich lief das Training sehr gut. Ich bin mit relativ wenig Essen durchgekommen, war am Schluss nicht sehr müde und am Tag darauf zeigten sich keine „Bresten“. Die grosse Herausforderung war nur die Orientierung im Nebel. Zwar waren über den Lötschegletscher Markierungen vorhanden, man sah aber nicht von der einen zur nächsten. Irgendwie bin ich aber trotzdem angekommen und konnte die letzten 10km bei wunderschönem Sonnenschein geniessen.

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Weg oberhalb der Gfelalp
kleiner Gletschersee unterhalb des Lötschepasses
kleiner Gletschersee unterhalb des Lötschepasses
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bei der Lötschepasshütte
Wasserfall im Gasterntal
Wasserfall im Gasterntal

weitere Läufe in diesem Jahr

So langsam geht das Jahr nun definitiv in die zweite Hälfte . Das heisst, der Saisonabschluss sollte auch langsam geplant werden.  Neben dem Khardung la Challenge werde ich noch an folgenden Läufen starten:

logo-staufberglauf-2016

http://www.staufberglauf.ch/

Der Staufberglauf findet gleich bei mir zu hause um die Ecke statt. Er ist flach und geht 4 mal rund um den Staufberg. Das ergibt dann 8 km. Davor habe ich allergrössten Respekt, da ich üblicherweise auf längere und darum auch langsamere Läufe trainiere. Ich erwarte, dass ich an dem Lauf leiden werde.

transruinaultatransviamala

In der zweiten Oktoberhälfe habe ich mich im Bündnerland beim transriunaulta und dem transviamala angemeldet. Die finden am Wochenende des 21. und 22. Oktober statt. Der transruinaulta ist ein Trailmarathon und findet am Samstag statt, der transviamala startet am Tag darauf und geht über 19 km. Er wird regelmässig zum schönsten Traillauf in der Schweiz gewählt und soll auch die attraktivsten Finisherpreise habe. Da bin ich ja mal gespannt.